ArbeitAargau, der Dachverband der Aargauer Arbeitnehmendenvertretungen und Gewerkschaften, hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Ziel der Veranstaltung war, die Zukunft der Schweiz in Europa, aber auch Vor- und Nachteile der Arbeitsmigration in die Schweiz zu diskutieren. Die Leitfrage lautete, wie zwischen der Forderung nach Begrenzung der Zuwanderung und einer verstärkten Öffnung hin zur EU die Interessen der Arbeitnehmenden im Kanton artikuliert und gewahrt werden können. Auf dem Podium diskutierten Cédric Wermuth (Nationalrat SP), Vania Alleva (Präsidentin Unia), Peter Gehler (Vizepräsident Aargauer Industrie- und Handelskammer) und Andreas Glarner (Nationalrat SVP). Die Moderation übernahm Fabian Hägler (Chefredakteur Aargauer Zeitung). Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten des Zentrum Bildung Baden statt und wurde durch den Kaufmännischen Verband Aargau Ost unterstützt.
Die Debatte der Vertreter:innen der Arbeitnehmenden, der Arbeitgebenden und der linken und rechten Parteien war von Beginn an kontrovers und hitzig. Einer der Hauptdiskussionspunkte stellte wenig überraschend die Zukunft der Personenfreizügigkeit dar. Über die Frage, ob eine Annahme der SVP-Initiative ein Ende der Personenfreizügigkeit zur Folge hätte, waren sich die Teilnehmenden nicht einig. Während Vania Alleva, Cédric Wermuth und Peter Gehler fest davon überzeugt sind, dass eine Annahme das Ende aller bilateralen Verträge bedeuten würde, vertritt Andreas Glarner die Position, dass eine Annahme zwar eine Neuverhandlung der Personenfreizügigkeit und der anderen EU-Verträge notwendig machen würde, nicht aber deren automatische Kündigung bedeuten würde. Gleichzeitig stellte er den Wert und die Notwendigkeit der Personenfreizügigkeit in Frage, da seiner Meinung nach offene Stellen im Inland durch nicht-berufstätige Schweizer:innen besetzt werden könnten. In diesem Punkt widersprachen ihm die anderen Teilnehmenden vehement. Peter Gehler strich heraus, dass der Schweiz ohne ausländische Fachkräfte eine massive Einbusse an Wertschöpfung drohe. Vania Alleva und Cédric Wermuth ergänzten, dass ohne ausländische Arbeitnehmende ganze Sektoren wie das Gesundheitswesen, der Bau und das Gastrogewerbe kaum funktional wären. Sie warnten eindrücklich vor einer Aushöhlung der Errungenschaften der Arbeitnehmendenbewegung. Hier drohen vor allem in Bezug auf das Recht auf Familiennachzug durch Annahme der Initiative eine Rückkehr zum Saisonierstatus, der Verlust der flankierenden Massnahmen sowie eine weitergehende Entrechtung ausländischer Arbeitnehmender. Cédric Wermuth warf der SVP dann auch vor, sie wolle mit der Initiative vor allem billige, entrechtete Arbeitnehmer:innen schaffen.
Im Hinblick auf die Bilateralen III fragte Moderator Fabian Hägler die Teilnehmenden, ob bei einer Annahme der SVP-Initiative die neuen Verträge mit der EU überhaupt weiterverhandelt werden müssten. Cédric Wermuth, Vania Alleva, und Peter Gehler waren sich einig: bei einer Annahme wäre das Verhältnis der Schweiz zur EU grundsätzlich in Frage gestellt. Dies wäre, sowohl für die Arbeitnehmenden als auch für die Arbeitgebenden fatal, und es müsse keine Rücksicht von Seiten der EU erwartet werden. Cédric Wermuth stellte zusätzlich fest, dass seiner Meinung nach der Angriff auf das Verhältnis Schweiz-EU ein Kernanliegen der SVP-Initiative sei. Andreas Glarner war einverstanden, dass bei einem Ja die Bilateralen III nicht weiterverhandelt werden müssten, was aber aus seiner Perspektive keinen grossen Verlust darstellen würde.
In der Schlussrunde gaben die Teilnehmenden ihre Prognosen für den 14. Juni ab. Während Peter Gehler auf 46% Ja-Stimmen tippte, wünschte sich Andreas Glarner 54%. Vania Alleva und Cédric Wermuth wollten sich nicht auf eine genaue Zahl festlegen, waren sich aber einig, dass das Wichtigste die Ablehnung der Initiative sei. Vania Alleva schloss ihr Schlussstatement mit der Aussage, die Gewerkschaften und alle anderen Gegnerinnen der Initiative «[…] müssen auf Sieg spielen».
Die Jahresveranstaltung von ArbeitAargau zeigte, dass die Meinungen gegensätzlich sind und die Diskussion kontrovers geführt wird. Das letzte Wort haben die Schweizer Stimmbürger:innen am 14. Juni. An ihnen wird es liegen, die Zukunft der Schweiz in Europa zu gestalten. Aus der Perspektive der Arbeitnehmendenverbände bleibt es dabei, dass die SVP-Initiative für die Arbeitnehmenden schädlich wäre, und dass es nun gilt, für eine Ablehnung an der Urne zu kämpfen.
Am 8. März 2026 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die SRG-Initiative ab, welche für Haushalte eine Reduktion der Radio- und Fernsehabgabe von CHF 335 auf CHF 200 pro Jahr fordert und Unternehmen komplett von der Abgabepflicht befreien will. Im Aargau hat sich ein Komitee aus kantonalen Parteien, Interessensverbänden und Organisationen gebildet, die sich für ein Nein zur SRG-Initiative stark machen.
Das Komitee warnt vor den drastischen Folgen einer Annahme der Initiative – für den medialen Service public der SRG sowie für die Schweizer Demokratie. Die SRG ist heute eine zentrale Institution, die den föderalen, vielschichtigen Charakter der Schweiz widerspiegelt und zum Zusammenhalt der verschiedenen Landesteile beiträgt. Bei Annahme der Initiative würde das Budget der SRG halbiert, was drastische Folgen für das aus allen Landesteilen viersprachig produzierte Angebot des Medienunternehmens hätte. Christian Minder, Co-Präsident EVP Aargau, stellt dazu fest: «Eine starke SRG ist zentral für Zusammenhalt, Demokratie, Kultur und die vier Landessprachen. Bei noch weiter sinkenden Einnahmen wäre die dezentrale Struktur gefährdet – zulasten von Föderalismus und Publikumsnähe.»
Für viele Menschen stellt der mediale Service public der SRG einen wichtigen Zugang zu verlässlichen, geprüften Informationen und zu Berichterstattung über Politik, Sport und Kultur aus dem In- und Ausland dar. Durch den drohenden, drastischen Abbau des Angebots der SRG würden Menschen diesen Zugang verlieren, was die differenzierte Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger schwächen und die Demokratie gefährden würde. Desinformation wäre Tür und Tor geöffnet. Philippe Kühni, Präsident GLP Aargau, kommentiert: «Die SRG ist in der viersprachigen Schweiz besonders wichtig für den Zusammenhalt unserer Bevölkerung. Gerade in Zeiten von Desinformation und Propaganda ist eine verlässliche, neutrale Informationsquelle wie die SRG überlebenswichtig.» Ähnlich sieht es Irène Kälin, Nationalrätin und Präsidentin Grüne Aargau: «Die Halbierungsinitiative ist für die Grünen keine harmlose Sparmassnahme, sondern bedroht diesen Service public und schwächt unser Land, unseren Zusammenhalt und die Meinungsbildung.»
Die Reduktion der Abgaben würde die SRG zwingen, ihr Programm massiv einzuschränken und zudem das regionale Angebot auszudünnen oder ganz zu streichen. Weniger Berichterstattung über regionale Themen ausserhalb der Ballungszentren und aus allen vier Landesteilen, welche die verschiedenen Facetten unseres Landes widerspiegeln, wären die Folge. «Gerade die Stärke des Service Public, die dezentrale Infrastruktur, würde mit der Initiative abgeschafft und damit ebenso viele Arbeitsplätze», erwähnt Maya Bally, Nationalrätin die Mitte, und ergänzt: «Ebenso würden Sport und Kultur auf der Strecke bleiben und die Qualität der öffentlichen Debatte leiden.» Von der Ausdünnung der regionalen Abdeckung und dem Stellenabbau wäre der Aargau direkt betroffen.
Neben den Stellenverlusten bei der SRG drohen auch weitergehende wirtschaftliche Folgen, die die gesamte Medienbranche betreffen würden. Silvia Dell’Aquila, Vize-Präsidentin ArbeitAargau und Zentralsekretärin der Mediengewerkschaft SSM, hält fest: «Die Initiative gefährdet tausende Arbeitsplätze in der Medienbranche, der audiovisuellen Industrie, der Kultur und vielen Dienstleistungsbereichen und damit auch ein Stück Schweizer Identität. Ein solcher Kahlschlag schwächt auch den Wirtschaftsstandort Schweiz und vernichtet unwiederbringliches Know-how.»
Neben Schwächung der Demokratie und massivem Stellenabbau würde die Initiative zu merklich weniger Angeboten in den Bereichen Sport und Kultur führen. Elisabeth Burgener, Stiftungsrätin Pro Argovia und Vorstandsmitglied Aargauischer Kulturverband, sagt dazu: «Kultur braucht Sichtbarkeit. Die SRG ermöglicht, dass kulturelle Arbeit wahrgenommen, eingeordnet und diskutiert wird und leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag. Denn: Kultur ist Gesellschaft und lebt vom Dialog.» Nicht nur im nationalen Kontext ist diese Vielfalt wichtig, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus. Durch eine Ausdünnung des Angebots der SRG würde das sportliche und kulturelle Ansehen der Schweiz auch international leiden. Susanna Perin, Geschäftsleiterin Visarte Aargau und Vorstandsmitglied Aargauischer Kulturverband, ergänzt: «Die Schweizer Kultur braucht eine gute Berichterstattung in allen Regionen wie auf internationaler Ebene. Zudem arbeitet die SRG mit den Bereichen Film, Musik und Literatur zusammen. Ohne ihre Unterstützung wären viele Projekte kaum umsetzbar.»
Das Argument der Befürworter:innen, dass bei einer Annahme private Medienhäuser die Aufgaben der SRG übernehmen würden, lässt das Komitee nicht gelten. Jürg Morgenegg, Geschäftsführer des unabhängigen Radios Kanal K, ist sich sicher: «Bei einer Annahme der Initiative würden der Medienbranche ohne Not massive finanzielle Mittel entzogen, die sich auf keinem anderen Weg wieder einholen liessen. Weder für die öffentlichen noch für die privaten Medien.» Das Ergebnis wäre eine qualitativ und finanziell ärmere Medienlandschaft mit weniger Vielfalt. Gleichzeitig würden Tech-Giganten immer mehr Kontrolle über die Berichterstattung in unserem Land auf sich konzentrieren können. Diese gefährliche Tendenz zeichnet sich schon heute ab, und eine Annahme der SRG-Initiative würde diese Entwicklung nur noch beschleunigen. Lucia Engeli, Co-Präsidentin SP Aargau, sagt darum auch deutlich: «Diese Initiative ist ein Frontalangriff auf die fundierte und sorgfältig recherchierte Berichterstattung. Wer die SRG schwächt, stärkt jene, die bereits heute übermächtige mediale Kontrolle besitzen.»
Das Komitee ruft alle Aargauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger deshalb dazu auf, am 8. März ein Nein zur SRG-Initiative in die Urne zu legen.
Der Grosse Rat hat im Hinblick auf das Jahr 2026 entschieden, im Rahmen der Systempflege Anpassungen der Löhne des kantonalen Personals um 0,5% und der Löhne des Lehrpersonals um 1% einzuplanen. Eine Lohnsteigerung jenseits der Systempflege soll es nur für das kantonale Personal im Umfang von 0,2% geben, das Lehrpersonal soll nicht einmal einen Inflationsausgleich erhalten.
Diese Entscheidungen spiegeln weder die Kosten- und Lohnentwicklungen jenseits der kantonalen Anstellungen wider, noch zeugen sie von der nötigen Wertschätzung gegenüber dem Verwaltungspersonal und den Lehrkräften. Die bürgerliche Sparwut wird dazu führen, dass das kantonale Personal und die Lehrkräfte finanziell schlechter gestellt werden und andere Kantone als potentielle Arbeitgeber an Attraktivität gewinnen. Darunter leidet schlussendlich die Qualität der kantonalen Dienstleistungen, und somit die Bevölkerung als Gesamtes. Die bürgerliche Ratsmehrheit macht mit den Entscheidungen Sparpolitik auf dem Rücken der Arbeitnehmenden. ArbeitAargau kritisiert die Entscheidungen scharf und wird gemeinsam mit dem kantonalen Personal und den Lehrkräften auch weiterhin für faire und wertschätzende Löhne kämpfen.
Die Ankündigung des Stellenabbaus durch Novartis konnte nicht vorausgesehen werden, sie überrascht insbesondere im Hinblick auf die gute wirtschaftliche Lage des Pharmaunternehmens. Umsatz, Gewinn und Aktienkurs entwickeln sich positiv, gleichzeitig kündigte Novartis einen Ausbau der Produktionskapazitäten in den USA an. Die Folge: eine stossende Massenentlassung im Werk in Stein.
ArbeitAargau fordert von Novartis, die angekündigte Massenentlassung zurückzunehmen. Statt für die reine Gewinnmaximierung oder zur Sicherung der USA-Geschäfte Stellen zu streichen, sollte Novartis in den Werksstandort Stein und die dortigen Beschäftigten investieren und zu Arbeitsplatzerhalt, Nachhaltigkeit und sozialer Sicherheit beitragen.
Würde es zu Entlassungen kommen, wären die Konsequenzen massiv. Ein alternativloser Abbau von 550 Stellen würde nicht nur die betroffenen Arbeitnehmenden und deren Familien hart treffen, sie würden auch den Industriestandort Schweiz schwächen und den Kanton Aargau vor grosse Herausforderungen stellen. Sollte Novartis trotzdem an Stellenstreichungen festhalten wollen, ist es die gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers, im Rahmen des Konsultationsverfahrens sozialverträglichere Alternativen anzudenken. In diese Ausarbeitung möglicher Alternativen sind die Arbeitnehmenden zwingend miteinzubeziehen.
Der Grosse Rat des Kantons Aargau hat in seiner heutigen Sitzung eine Motion zur Streichung des halben Freitages am 1. Mai für Kantonsangestellte an den Regierungsrat überwiesen. Die Überweisung ermöglicht es nun, Änderungen der Regelung zum 1. Mai in die Revision des Aargauer Personalgesetzes einfliessen zu lassen.
ArbeitAargau und der Aargauische Gewerkschaftsbund werten die Überweisung der Motion als Frontalangriff auf die Arbeitnehmendenbewegung. Die bürgerliche Mehrheit im Parlament betreibt mit der Streichung dieses seit Jahrzehnten statuierten Freitag, der die Teilnahme an die Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit ermöglichen soll, eine üble Symbolpolitik auf dem Buckel der eigenen Angestellten.
Der 1. Mai ist ein wichtiges Datum für die Arbeitnehmendenbewegung. Er dient der Erinnerung vergangener Kämpfe für bessere Arbeitsbedingungen und erlaubt Arbeitnehmenden auch heute, für die Verbesserung ihrer Bedingungen zu demonstrieren. Die Möglichkeit zu entziehen, an Demonstrationen und Feierlichkeiten am Tag der Arbeit teilzunehmen, ist unfair und zielt darauf ab, den gewerkschaftlichen Organisationsgrad der Kantonsangestellten und somit die Arbeitnehmenden- und Gewerkschaftsbewegung als Ganzes zu schwächen. Dieser Entscheid könnte überdies dazu führen, dass auch weitere Unternehmen oder auch Gemeinden, welche den 1. Mai als ganzen oder halben freien Tag gewähren, diesen nun streichen, zum Nachteil vieler Arbeitnehmenden, welche im Kanton Aargau beschäftigt sind.
ArbeitAargau und der Aargauische Gewerkschaftsbund fordern, dass der Tag der Arbeit weiterhin ein freier halber Tag für Kantonsangestellte bleibt, und dass er darüber hinaus als kantonaler Feiertag für alle Arbeitnehmenden anerkannt wird, wie es auch in vielen anderen Kantonen der Fall ist.
Andreas Ruf war seit Januar 2023 Co-Geschäftsführer von ArbeitAargau, dem Dachverband der Aargauer Arbeitnehmendenverbände, und hat die Entwicklung des Dachverbandes in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt. Sein Nachfolger bei ArbeitAargau ist Max Hufschmidt. Der 32-jährige Historiker hat in der Vergangenheit als wissenschaftlicher Assistent gearbeitet und bringt Erfahrungen in Projektmanagement und Gewerkschaftsarbeit mit. Gemeinsam mit der bisherigen Co-Geschäftsführerin Selina Egger wird er die Weiterentwicklung des Dachverbandes in Zukunft begleiten. ArbeitAargau wünscht Andreas Ruf alles Gute für die Zukunft und wünscht Max Hufschmidt einen guten Start.
Seit dem Frühling 2025 werden Unterschriften für die Familienzeit-Initiative gesammelt. Weite Teile der Initiative decken sich mit den Zielen, die wir mit unserer Initiative „Lohngleichheit im Kanton Aargau – jetzt!“ erreichen wollten. ArbeitAargau unterstützt das Anliegen und beteiligt sich an der Unterschriftensammlung, damit diese wichtige Initiative zustande kommt.
Die Schweiz verändert sich: Die Bevölkerung wird immer älter und es leben mehr Menschen in Rente als früher – gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren, die Geburtenrate sinkt auf rekordtiefe 1.3 Kinder pro Frau. In vielen Branchen verschärft sich der Fachkräftemangel. Die Hauptlast für das Erwirtschaften des Wohlstands dieses Landes trägt die mittlere Generation: Sie finanziert als Erwerbstätige die Sozialwerke, zieht die künftige Generation gross und betreut oft gleichzeitig pflegebedürftige Angehörige.
Die Familienzeit fördert die Erwerbstätigkeit der Mütter und schafft gleiche Chancen Elternschaft ist eine gemeinsame Verantwortung. Die heutige Gesetzgebung fördert aber stereotypische Rollen und wird der gesellschaftlichen Realität und der Gleichstellung der Geschlechter nicht gerecht. Deshalb braucht es eine faire, gleich lange Familienzeit für beide Elternteile, so Lisa Mazzone, Präsidentin der GRÜNEN Schweiz. “Der heutige Mutterschaftsurlaub ist zu knapp und er ist einseitig verteilt: Er setzt Mütter unter Druck und schliesst die Väter aus. Um die Erwerbstätigkeit der Mütter zu fördern, brauchen sie gleich lange Spiesse. Das ist auch im Sinne des Kindes.”
Darum gehts Die Initiative sieht für beide Elternteile eine gleich lange Familienzeit von je 18 Wochen vor. Die Familienzeit ist paritätisch, nicht übertragbar, verfällt bei Nichtbezug und wird im Grundsatz nacheinander bezogen, wobei 4 Wochen gleichzeitig möglich sind. Die Entschädigung steigt für die niedrigsten Löhne auf 100% des Erwerbsausfalls. Diese Eckwerte erweisen sich aus der Forschung und aus Erfahrungswerten anderer Länder als besonders wirkungsvoll, um die Arbeitsmarktpartizipation der Mütter und die Care-Arbeit der Väter zu erhöhen. Mutterschaftsversicherung und Vaterschaftsurlaub werden ersetzt. Während der ersten 10 Jahre wird die Familienzeit auf je maximal 18 Wochen festgelegt. Über die anschliessende Dauer entscheidet die Gesetzgeberin, wobei die Dauer von je 14 Wochen nicht unterschritten werden darf, was der aktuellen gesetzlichen Dauer des Mutterschaftsurlaubs entspricht.
Die Familienzeit lohnt sich für KMU und strukturschwache Regionen Auch für die Wirtschaft und insbesondere für ländliche Regionen und KMU bringt die Familienzeit wichtige Chancen: Sie geraten heute im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend ins Hintertreffen, weil urbane Zentren und Grossunternehmen ihren Mitarbeitenden attraktivere familienfreundliche Arbeitsbedingungen bieten können. Die Familienzeit ermöglicht den Unternehmen Planbarkeit und Berechenbarkeit rund um die Elternschaft ihrer Mitarbeitenden: Sie ist so ausgestaltet, dass sie einen positiven Effekt auf die Erwerbstätigkeit der Eltern und insbesondere der Mütter hat, indem sie ihnen einen schnelleren Wiedereinstieg in Erwerbsleben zu höheren Pensen
ermöglicht.
Die Familienzeit zahlt sich aus für die Schweiz Eine Studie, welche die Allianz beim unabhängigen ökonomischen Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Ecoplan in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass sich die Familienzeit auch für die Steuerzahler:innen und den Staat auszahlt: Jedes Jahr werden 2’500 Vollzeitbeschäftigte mehr im Arbeitsmarkt tätig sein, nach 10 Jahren bereits 25’000. Das sind Mütter, die überhaupt, früher und in höheren Pensen in den Beruf zurückkehren. Nach 20 Jahren ist die Investition über höhere Steuern und Sozialversicherungsabgaben refinanziert. Die Initiative wird von einer breiten überparteilichen Allianz getragen – alliance F, Grüne, GLP, Mitte Frauen, Travail Suisse – und von der EVP unterstützt. Im Initiativkomitee sind National- und Kantonsrät:innen aus sechs Parteien sowie Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und Fachpersonen vertreten. In den nächsten Wochen werden die Partnerschaften erweitert.
v.l.n.r: André Rotzetter (Travail.Suisse AG), Irène Kälin (Präsidentin ArbeitAargau), Silvia Dell’Aquila (Vizepräsidentin AA) und Oliver Hippele (Syna Aargau) rücken zusammen
Seit dem 1. Januar 2025 ist Travail.Suisse Aargau Teil unseres Dachverbandes. Bei der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom Dezember 2024 haben die Delegierten von ArbeitAargau diesem Beitritt einstimmig zugestimmt.
Im Aargau beschreiten die beiden grössten Arbeitnehmendendachverbände damit neue Wege – weder auf kantonaler noch auf nationaler Ebene gibt es einen vergleichbaren Schulterschluss, es ist ein historischer Moment in der Bewegung der Arbeitnehmenden in der Schweiz. Diese wird dadurch im Kanton Aargau noch stärker. Und das ist angesichts der aktuellen politischen Rahmenbedingungen für die Interessen der Arbeitnhemenden wichtiger denn je.
Chefökonom Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund brachte in seinem Grusswort seine grosse Freude über den Zusammschluss zum Ausdruck – der Aargau leiste Pionierarbeit. Er wies die Delegierten darauf hin, wie wichtig diese Verstärkung gerade auf kantonaler Ebene sei – beispielsweise in der Gesundheits- und Bildungspolitik.
Auch Yvonne Feri, Präsidentin von Syna Schweiz, betonte die Wichtigkeit der künftigen Zusammenarbeit: «Im Aargau müssen wir alle Kräfte bündeln, damit wir den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen können.»
Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit unserem neuen Mitglied!
«Der Lohnunterschied [in der Schweiz] bleibt bei 18%, während der OECD-Durchschnitt mit 13.1% deutlich tiefer liegt. Seit dem ersten «PwC Women in Work Index» 2011 ist die Lohnlücke hierzulande sogar noch leicht gestiegen von damals 17.6% – die meisten anderen Ländern haben die Lohnungleichheit reduziert.»[1] Dies ist die bittere Bilanz des diesjährigen «PwC Women in Work Index 2025», der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Lohngleichheit in der Schweiz heisst: Treten an Ort. Und das seit Jahrzehnten.
Seit 44 Jahren ist die Gleichstellung von Frau und Mann in der Bundesverfassung verbrieft. Lohnunterschiede bleiben aber weiterhin auf hohem Niveau bestehen: auf ihrem Lohnkonto erhalten Frauen monatlich durchschnittlich 1‘364 Franken weniger als Männer. ArbeitAargau ist überzeugt, dass das Stimmvolk in Sachen Lohngleichheit Handlungsbedarf erkennt und – im Gegensatz zu den Vertreter:innen im Grossen Rat – der Initiative «Lohngleichheit im Aargau – Jetzt!» am 18. Mai 2025 zustimmen wird. Die gfs-Umfrage vom letzten November zeigte, dass Lohnungleichheit als die grösste Ungerechtigkeit in unserem Land empfunden wird.[2]Zurecht wie das Initiativkomitee findet, denn Lohnungleichheit wirkt sich nicht nur unmittelbar auf dem Konto aus, sondern hat auch negative gesellschaftliche Folgen, die sich sozialpolitisch auf unseren Kanton auswirken. Mehr Altersarmut, mehr Fachkräftemangel, Fehlanreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Betreuungsaufgaben oder das unfreiwillige Verharren in unzeitgemässen Familienrollenbildern sind nur einige der Konsequenzen von Lohnungleichheit. Diese Folgen betreffen die Gesellschaft als Ganzes, von Jung bis Alt, von Frau bis Mann. Das wollen ArbeitAargau und die weiteren im Initiativkomitee vertretenen Parteien und Organisationen am 18. Mai 2025 ändern.
Geringer Aufwand – grosse Wirkung Das Gleichstellungsgesetz und die darin vorgesehenen Lohnanalysen werden nur halbherzig umgesetzt. Genau hier setzt die Initiative an. Lohnanalysen sind mit einem vom Bund zur Verfügung gestellten Tool mit geringem Aufwand rasch erledigt. Wird die Analyse erfüllt, muss sie nicht mehr wiederholt werden.
Lohngleichheit unterstützt die Wirtschaft Die bestehende Lohnungleichheit ist aus Sicht von ArbeitAargau nicht auf Willkür oder Absicht von Seiten Arbeitgeber:innen zurückzuführen, sondern auf fehlende Transparenz und auf fehlendes Bewusstsein. Beides wird mit Lohnanalysen verbessert. Eine positiv erfüllte Lohnanalyse ist zudem ein gutes Argument für das Unternehmen im Rekrutierungsprozess und im Wettbewerb um die besten Arbeitnehmenden – in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Kriterium. Es fördert das Vertrauen bei Mitarbeitenden, Kund:innen sowie bei Investor:innen.
Wiedereinführung der Fachstelle für Gleichstellung Der Aargau hat seine Fachstelle für Gleichstellung im Jahr 2018 aus Spargründen abgeschafft. Insgesamt verfügen 17 Kantone, auch alle Nachbarkantone, über eine solche Fachstelle. Es ist deshalb höchste Zeit, dass der Aargau, als viertgrösster Kanton und wirtschaftsstarker Standort, eine solche Fachstelle wieder anbietet. Eine Fachstelle für Gleichstellung ist eine wichtige Verstärkung der gleichstellungspolitischen Stimme: Sie bringt Gleichstellungsthemen in die öffentliche Diskussion und in die Medien. Ausserdem kann eine Fachstelle gezielte Massnahmen ergreifen, um Chancengleichheit in Bildung, Beruf, Familie und Gesellschaft zu fördern, sie dient als zentrale Anlaufstelle für Einzelpersonen und Organisationen für alle Fragen der Gleichstellung, stellt Diskussionsgrundlagen zur Verfügung und leistet wichtige Vernetzungsarbeit.
Statements von ArbeitAargau sowie von den Vertreter:innen der Unterstützungsallianz:
Irène Kälin, Präsidentin ArbeitAargau: «Seit 44 Jahren ist die Gleichstellung von Frau und Mann in der Bundesverfassung verbrieft. Lohunterschiede bleiben aber weiterhin auf hohem Niveau bestehen: auf ihrem Lohnkonto erhalten Frauen monatlich durchschnittlich 1‘364 Franken weniger als Männer. Laut der neusten PwC-Studie treten wir damit nicht nur auf der Stelle, sondern es würde weitere 46 Jahre dauern, bis sich der Lohngraben zwischen den Geschlechtern schliesst. Das ist unhaltbar. Es braucht unsere Initiative mehr denn je.»
Amanda Sager-Lenherr, Präsidentin frauenaargau: «Die Vorteile der Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern sind vor allem auch für Familien zentral. Wenn beide Elternteile faire Löhne erhalten, sind sie freier in der Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit. Durch Lohngleichheit werden auch Väter in ihrer Rolle als Alleinverdiener im Ernährermodell entlastet und sie können mehr am Familienleben teilnehmen. Zusammen mit einer Fachstelle für Gleichstellung wird ein wichtiger Schritt Richtung Fairness gemacht. Deshalb setzt sich frauenaargau für die Lohngleichheitsinitiative ein.»
Gertrud Häseli, Präsidentin Frauenzentrale Aargau: «Das Gleichstellungsgesetz muss auch im Kanton Aargau umgesetzt werden. Eine Fachstelle für Gleichstellung wäre eine wichtige Verstärkung der gleichstellungspolitischen Stimme: Sie bringt Gleichstellungsthemen in die öffentliche Diskussion und in die Medien. Wichtig ist: Eine Fachstelle kann gezielte Massnahmen ergreifen, um Chancengleichheit in Bildung, Beruf, Familie und Gesellschaft zu fördern, sie dient als zentrale Anlaufstelle für Einzelpersonen und Organisationen für alle Fragen der Gleichstellung, stellt Diskussionsgrundlagen zur Verfügung und leistet wichtige Vernetzungsarbeit.»
Nora Langmoen, Co-Präsidentin SP Aargau: «Die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen ist nicht nur ungerecht, sondern hat weitreichende sozialpolitische Folgen für unsere Gesellschaft. Noch 2020 betrug der Gender Pension Gap fast 35%. Das heisst, dass die jährliche Gesamtrente aus allen Säulen der Altersvorsorge der Frauen im Durchschnitt fast 19’000 Franken tiefer als jene der Männer war. Die Lohnungleichheit zementiert auch die traditionellen Familienrollen. Wenn Frauen systematisch weniger verdienen, kann es bei grossen Lohnunterschieden für Familien finanziell sinnvoller erscheinen, dass Frauen zu Hause bleiben oder ihre Arbeitszeit reduzieren, um dann mehr unbezahlte Haus- und Familienarbeit zu übernehmen. Lohngleichheit ist nicht nur ein Gebot der Fairness, sondern eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie ermöglicht es Frauen, eigenständig für ihr Alter vorzusorgen, durchbricht veraltete Rollenbilder und schafft Anreize für eine höhere Erwerbsbeteiligung. Die Lohngleichheitsinitiative ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.»
Ruth Müri, Grüne Aargau: «Wenn Frauen die gleichen Chancen und Löhne haben wie Männer, profitieren alle. Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft entwickeln sich nachhaltiger, schneller und gerechter. Gleichberechtigung und Lohngleichheit sind kein Luxus, sondern eine grundlegende Voraussetzung für eine bessere Zukunft.»
Sabine Sutter-Suter, Präsidentin Gleichstellung Aargau: «Lohngleichheit ist ein Puzzleteil für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eltern sollen frei wählen können, welches Lebensmodell sie leben wollen. Um die Wahlfreiheit in der Lebensgestaltung zu haben, braucht es eine qualitative und finanzielle Gleichstellung. Eine freie Wahl des Lebensmodells setzt gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit voraus. Der Verein Gleichstellung betont, dass die Initiative Frauen und Männern zugutekommt und den Wirtschaftsstandort Aargau stärkt. Lohngleichheit ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in einer modernen Arbeitswelt.»
Im Juni hat ArbeitAargau mit einer breiten Unterstützung die Initiative Lohngleichheit im Kanton Aargau – jetzt! mit 3’281 gültigen Unterschriften bei der Aargauer Staatskanzlei eingereicht. Beim Unterschriftensammeln auf der Strasse wurde die Stimmung in der Bevölkerung deutlich: Dieser Missstand muss endlich behoben werden. Das gleiche Bild zeigte sich jüngst in repräsentativen Umfragen: Lohnungleichheit wird als besonders ungerecht empfunden.
Ein anderes Bild ergab sich heute im Grossen Rat: Die Mehrheit im Parlament lehnt Massnahmen für mehr Lohngleichheit und eine Fachstelle für Gleichstellung ab. Damit ist klar, dass die Aargauer Stimmbevölkerung das letzte Wort haben wird. ArbeitAargau ist überzeugt, dass wir die Abstimmung gewinnen, das Anliegen ist legitim und umsetzbar. Wann, wenn nicht jetzt? Gemeinsam mit einer breiten Allianz aus Parteien und Organisationen laufen nun die Vorbereitungen für die Abstimmungskampagne auf Hochtouren.
Geringer Aufwand – grosse Wirkung ArbeitAargau nimmt konsterniert zur Kenntnis, dass sich die hohen Lohnunterschiede in den letzten Jahren nur unzureichend verringert haben und ist deshalb von der Triftigkeit seiner Initiative überzeugt. Die negativen sozialpolitischen Konsequenzen von Lohnungleichheit (Altersarmut, Fehlanreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen etc.) im Kanton müssen endlich von der Politik angegangen werden. Das Gleichstellungsgesetz und die darin vorgesehenen Lohnanalysen werden nur halbherzig umgesetzt. Genau hier setzt die Initiative an. Lohnanalysen sind mit einem vom Bund zur Verfügung gestellten Tool (Logib) in 1 bis maximal 2 Arbeitstagen (bei 50-249 Mitarbeitenden) erledigt. Wird die Analyse erfüllt, muss sie nicht mehr wiederholt werden. Und für Frauen wird endlich auch in der Realität das längst überfällige Grundrecht auf Lohngleichheit erfüllt.
Lohnungleichheit schadet Wirtschaft und Gesellschaft Die bestehende Lohnungleichheit ist aus Sicht von ArbeitAargau nicht auf Willkür oder gar Absicht zurückzuführen, sondern auf fehlende Transparenz und auf fehlendes Bewusstsein. Beides wird mit Lohnanalysen gelöst. Eine erfüllte Lohnanalyse ist zudem ein Argument für das Unternehmen im Rekrutierungsprozess und im Wettbewerb um die besten Arbeitnehmenden – in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Kriterium. Es fördert das Vertrauen bei Mitarbeitenden, Kund:innen sowie bei Investor:innen.